Monatliche Archive: März 2009


Bettgeflüster in den Festungsmauern

Germersheim liest vor wartet diesmal mit einem Verwöhnprogramm für Erwachsene auf: Am Mittwochabend, 25. März, wird in den unterirdischen Gängen der Germersheim bei flackerndem Kerzenlicht ausgiebig geflüstert. Wer möchte, kann diesem Bettgeflüster lauschen und sich mit Sekt und leckeren Betthupferln verköstigen lassen. Bitte warm anziehen oder eine Decke mitbringen. Beginn: 19 Uhr. Unkostenbeitrag (all inclusive): 6,- €. Eingang Musikschule.
Germersheim liest vor


Projektbeschreibung

Das Projekt im Detail
Anlässlich des dritten „Geburtstags“ des Projekts für durchgängige Sprachförderung wurde von Professor Reich ein Bericht erstellt, der einen hervorragenden Gesamtüberblick über die einzelnen Projektphasen und die Projektergebnisse liefert, da zu diesem Zeitpunkt ein Großteil der praktischen Arbeit im Kindergarten bereits abgeschlossen war. Lesen Sie auch den Abschlussbericht, der auch als Buch beim Verein erhältlich ist.
Inhalte
Das Projekt ist in drei größere inhaltliche Abschnitte mit folgenden Hauptthemen eingeteilt: Sprachbeobachtung, Sprachstandsanalyse und Förderplanung, Methoden der Förderung.
Im ersten Teil wurden die Verfahren der Sprachbeobachtung eingeführt und erprobt: Elterngespräche zum Thema Spracherziehung, Sprachbeobachtungen in der Einrichtung anhand eines Beobachtungsbogens und Sprachbeobachtungen mittels Videoaufzeichnung und Transkription. Als Unterlage für die Elterngespräche wurde ein Leitfaden verwendet, in den auch die Gesprächergebnisse eingetragen werden. Die Sprachbeobachtungen anhand eines Beobachtungsbogens wurden zunächst mit dem in Rheinland-Pfalz eingeführten Instrument „sismik“ geübt; aufgrund der Erfahrungen wurde dann aber eine eigene Version erarbeitet. Diese Version sieht eine geringere Zahl von Situationsbeobachtungen vor, arbeitet mit offenen Antworten (statt Ankreuzverfahren) und schlägt eine genauere, gleichwohl alltagstaugliche Erfassung der sprachlichen Kompetenzen im engeren Sinne vor („Beste Wörter, beste Sätze“). Die dazu notwendige Sprachaufmerksamkeit (einschließlich der dazu notwendigen Begrifflichkeit) wurde durch die detaillierte Interpretation der transkribierten Videoaufnahmen angestrebt.
Im zweiten Teil stand die individuelle Förderplanung im Anschluss an die Sprachanalyse im Vordergrund. Es ging darum, die Entwicklungsskalen der kindlichen Grammatik, des Wortschatzes und der Sprechhandlungen (für das Deutsche) kennen zu lernen und auf die eigenen Sprachbeobachtungen in der Einrichtung anzuwenden. Aus diesen Analysen, den situativen Sprachbeobachtungen und den Ergebnissen der Elterngespräche wurden dann für die einzelnen Kinder individuelle Förderpläne entwickelt, zunächst in intensiven Teamdiskussionen, später in Besprechungen der beiden jeweils für eine Kindergruppe verantwortlichen Erzieherinnen.
Der dritte Teil war den Methoden der Sprachförderung gewidmet. Behandelt wurden zum Einen durchgehende Fragen der Sprachverwendung im Kindergarten, insbesondere kommunikative Grundsätze, handlungsbegleitendes Sprechen und die sprachförderliche Formulierung von Impulsen der Erzieherin; hierbei wurden Verfahren der Selbst-beobachtung und der Selbstkontrolle eingesetzt. Zur Sprache kamen dabei auch Fragen der Dialektverwendung und der Verwendung von Muttersprachen der Kinder. Zum Andern wurden ausgewählte Methoden der Sprachförderung vorbesprochen, erprobt und in Videoaufnahmen dokumentiert, welche dann eingehend nachbesprochen wurden. In dieser Weise wurden die folgenden Themen behandelt: mündliches Erzählen, literacy, Rollenspiel und Sprachförderung im Rahmen naturwissenschaftlicher Bildungsangebote.
Alle diese Themen wurden durch mehrere meist ganztägige Teamfortbildungen sowie Teamsitzungen eingeführt, gemeinsam für die Situation in der Einrichtung bearbeitet sowie auf der Grundlage erster praktischer Erfahrungen ausgiebig reflektiert und ggf. weiter modifiziert. Dabei zeigten sich auch allgemeinere Probleme der Arbeit im Kindergarten, die als Rahmenbedingungen die Projektarbeit beeinflussten und daher mit bearbeitet werden mussten: Im Rahmen des Möglichen und zum Teil auf ausdrückliche Bitten aus dem Teams wurden zusätzlich und über die direkt sprachbezogene Arbeit hinaus auch die folgenden Themen behandelt: Organisation der „besonderen Sprachförderung“ mit den Fördermitteln des Landes, Interkulturelle Elternarbeit, Kommunikation im Team, Präsentation von Arbeitsergebnissen vor Kolleginnen und Kollegen, Organisation des Alltags / Zeitmanagement. Als Lerngelegenheiten müssen auch die Ausrichtung von bzw. die Beteiligung an Fachtagungen angesprochen werden, auf denen Erzieherinnen der Einrichtung ihre Sprachförderarbeit vor Kollegen und Kolleginnen darstellten, und deren Vorbereitung sich als eine wirksame Chance der Festigung und Vertiefung der gewonnenen Erkenntnisse erwies. Hierzu haben dann auch die Rückmeldungen der Teilnehmenden und die eigene Nachbereitung im Team beigetragen.
Viele der hier angesprochenen Lernprozesse erwiesen sich als recht zeitaufwändig, so dass die ursprünglich vorgesehenen Themen „Sprachbewusstheit“ und „Sprachanforderungen der Grundschule“ in der Projektzeit bisher nicht behandelt werden konnten.
Evaluation
Jeweils am Ende des ersten und des zweiten Projektjahres haben evaluative Gespräche in einem Expertenkreis, bestehend aus Vertretern des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums, des Kindergarten-Trägers, des Jugendamtes, der Universität Koblenz-Landau und anderen Wissenschaftlern stattgefunden.
Nachbereitende Gespräche wurden bei sich bietender Gelegenheit auch mit dem Träger und der zuständigen Fachberatung geführt.
Geplant ist eine anonyme Befragung der teilnehmenden Erzieherinnen, die sich in differenzierender Weise auf die Frage einer persönlichen Weiterführung der im Projekt erarbeiteten Handlungsmöglichkeiten und die Frage einer institutionellen Weiterführung des Konzepts der durchgängigen Sprachförderung an der Einrichtung insgesamt richtet.
Zielerreichung
Bezogen auf die einzelnen Fortbildungsthemen wurden Einsichten in die Möglichkeiten und Grenzen einer teaminternen Qualifizierung erarbeitet, die in der abschließenden Dokumentation aufgearbeitet werden. Der materielle Niederschlag dieser Arbeiten besteht in einer Reihe von Instrumenten für die Praxis, die während des Projektes eingeführt, erprobt und revidiert worden sind:
• Leitfaden „Elterngespräch zur sprachlichen Situation es Kindes“
• Beobachtungsbogen „Sprachgebrauch“
• „Bogen zur Aufzeichnung sprachlich-kommunikativer Szenen“
• Formular „Individueller Förderplan“
• Formular „Dokumentation der Förderaktivitäten“
Für die Zwecke der Qualifizierung wurden die folgenden (zum Teil neu erarbeiteten) Instrumente eingesetzt: Selbstbeobachtung der Kontakte der Erzieherin zum Kind und der Sprachintensität dieser Kontakte, Merksätze zum sprachlichen Handeln im Alltag des Kindergartens, Beispiele für förderndes und nicht förderndes Sprachhandeln der Erzieherin, Impulse der Erzieherin und Reaktionen der Kinder, Grammatikaneignung und Förderung der grammatischen Entwicklung im Deutschen, Beispiele für die Stufen des kindlichen Wortschatzes im Deutschen, Beispiele für Sprechhandlungen, Ergebnisse der Fortbildungen zu den ausgewählten Förderaktivitäten.
Von den teilnehmenden Erzieherinnen wird die Wirkung der Qualifizierung zunächst in einer gesteigerten Sprachsensibilität gesehen: „Wir hören jetzt ganz anders auf die Sprache der Kinder.“ Mehrfach haben sie während des Projektes spezifische persönliche Stärken zur Geltung gebracht und weiterentwickelt: Fähigkeiten des Erzählens, der unterstützenden Dialogführung, der Spracharbeit mit kleinen Gruppen, der Nutzung von Alltagssituationen zur Stimulierung der sprachlichen Kommunikation. Einzelne haben Anlass gefunden, an sich selbst zu arbeiten (Gebrauch der Hochsprache, aktives Zuhören).
Alle teilnehmenden Kinder haben Fortschritte im Deutschen gemacht. Ob diese aufgrund des Projektes größer ausgefallen sind, als sie es ohne das Projekt gewesen wären, lässt sich natürlich nicht mit Gewissheit sagen; es zu messen, hätte einen völlig unverhältnismäßigen und nicht bezahlbaren Aufwand bedeutet.
Eine begünstigende Bedingung war die hohe Motivation der Erzieherinnen, ihre Bereitschaft, sich auch ungewohnten Lerninhalten (namentlich im Bereich der Grammatik) zu stellen und zusätzliche Arbeitszeit in das Projekt zu investieren. Eine wichtige Hilfe war die Unterstützung durch die Fachberatung des Diakonischen Werkes. Die Hauptschwierigkeit stellten während der gesamten Projektzeit die knapp bemessene Arbeitszeit und die enge Personalausstattung dar.
Die Übertragbarkeit der Ergebnisse kann derzeit noch nicht beurteilt werden. Auf den bereits erwähnten Fachtagungen fand das Projekt lebhaftes Interesse und erfuhr überwiegend positive Rückmeldung. Die geplante Dokumentation soll sich insbesondere an Kindergartenleitungen, Fortbildner und Fortbildnerinnen, Fachberater und Fachberaterinnen richten, also multiplikatorische Funktionen haben.


Nützliche Adressen

Nützliche Adressen

  • Interkultur ist Mitglied im Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz. Dieser Verein setzt sich als landesweites Netzwerk für die Gleichberechtigung der in Rheinland-Pfalz lebenden Migrantinnen und Migranten in gesellschaftlicher, kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht sowie für ein solidarisches Zusammenleben von Einheimischen und Migranten ein und ist u. a. bei Problemen mit dem Aufenthaltsrecht von Hilfe.
  • Statistisch gesehen sind über 20 % der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wegen körperlichen oder seelischen Missbrauchs im Heimatland traumatisiert. In Karlsruhe gibt es aus diesem Grund den Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten, der Beratung, Vermittlung und Aufklärung als Hilfe zur Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse bietet.